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Flüelen ist ältester bekannter Sitz einer Buchdruckerei in Uri. Zwar haben sich bereits im 17.Jahrhundert zwei Buchdrucker in Uri niedergelassen, nämlich 1612 der Freiburger Münzmeister und Buchdrucker Stephan Philot und 1621 Wilhelm Darbelley. Man weiss jedoch nicht, wo und wie sie gewirkt haben. Hingegen lässt sich nachweisen, dass 1814 die erste eigentliche Druckerei, die auch Beweise ihrer Tätigkeit hinterlassen hat, in Flüelen gegründet worden ist. Damals verlegte Franz Xaver Brönner seine Druckerei von Brunnen nach Flüelen. Aber schon 1819 zog er wieder nach Brunnen zurück; nicht zuletzt deshalb, weil der im Schlösschen Rudenz wohnhafte Landammann Josef Marie Zgraggen für seinen Sohn Franz Xaver eine eigene Druckerei plante und später auch eröffnete. Franz Xaver Zgraggen ist somit der erste einheimische Buchdrucker. Seine Druckerei befand sich wahrscheinlich in einem Ökonomiegebäude des Schlösschens Rudenz. Schon 1827 verlegte er aber seinen Betrieb nach Altdorf, wo er seit 1824 als Posthalter tätig war und 1845 zum Landammann gewählt wurde. (Literatur: Müller Kurt; "Handel, Industrie und Gewerbe", in: "Flüelen"; Flüelen 1965. S. 87; Gasser Helmi, Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Band 2, S. 124 f.)

Im Mittelalter war Flüelen eine Fährstelle im Dienste der Fraumünsterabtei. Zwei Hofstätten hatten die Urner Zinserträgnisse nach Brunnen zu führen. Mit dem Aufschwung Luzerns und der Erschliessung des Gotthards für den Warenverkehr (um 1200) erhielt Flüelen als Warenumschlagsstätte die Bedeutung einer Hauptstation der Gotthardroute. Reisende und Güter kamen mit dem Schiff nach Flüelen. Hier begann oder endete der Landweg über den Gotthard, hier geschah der Umlad der Waren auf den Rücken der Saumtiere, ab 1830 – nach der Fertigstellung der Gotthardstrasse – auf Wagen. Flüelen war Warenumschlagplatz, in Flüelen lag die Zollstätte. Neben den Hafenanlagen gab es Lagerhäuser, die sogenannten Susten, Stallungen und Unterkünfte für die Kaufleute und Mannschaften. Der Handel und Transit brachte Arbeit. Viele Einwohner verschrieben sich dem Beruf des Säumers, Trägers, Ruderers oder Schiffführers.

Eine nächste Zäsur brachte 1837 die Dampfschifffahrt, sie nahm den Ruderknechten schlussendlich die beschwerliche Arbeit, jedoch nicht den Verdienst. Der Einzug der modernen Technik bewirkte einen Aufschwung. Speditionshäuser wurden eröffnet und boten ihre Dienste im Handel an. Das bekannteste war die Firma Sebastian Crivelli & Cie. Das Speditionshaus befasste sich vor allem mit der Abfertigung von Warentransporten über den Gotthard und regelte auch alle in diesem Zusammenhang stehenden Finanzangelegenheiten. Aus dieser Zeit stammen die Crivelli-Sust (heutige Kaufhaus Ziegler) und das Hotel Du Lac. Der Fall der Zollschranken mit der neuen Bundesverfassung 1848 und die Eröffnung der Axenstrasse 1865 beschleunigte und vereinfachte nochmals den Handelsverkehr. Die Eröffnung der Gotthardbahn im Jahre 1882 brachte im Transitverkehr gar revolutionäre Dimensionen. Flüelen als Warenumschlagplatz hatte ausgedient. Die Dampfschiffahrt, die romantische Axenstrasse und die Eisenbahn zeigten dem Hafenort eine neue Erwerbsmöglichkeit auf: den Tourismus.

Herstellung Die graublauen Kalksteine wurden mit dem Ruderschiff im Ausserdorf beim Kalksteinzug und im Einlauf des Gruonbaches geholt. Die gebrannten Kalksteine wurden durch die enorme Hitze ganz durch- und ausgebrannt. Der gebrannte Kalk, dem durch das Brennen die Kohlensäure und Hydratwasser entzogen wurde, musste sofort in Holzfässer-„Röhren" abgefüllt und gut verschlossen werden, ansonst wären diese Kalkstücke an der Luft zu Mehl und Pulver zerfallen und hätten die Kraft verloren. Das Einfüllen der „Röhren"-Kalkfässer nannte man Löschen von magerem unreinem Kalk, auch bekannt als ungelöschten Kalk. Das nasse Löschen von Kalk geschah in der Kalkgrube durch langsames Dazugeben von kaltem Wasser (Kalkbrei oder Kalkmilch). Dieser Kalk in der Grube musste stets mit einer niederen Wasserschicht bedeckt sein und sollte, um gut zu werden, dort einige Jahre liegen bleiben vor dem Gebrauch für Maurer- und Anstrichzwecke. Von einem Kalksteinbrand gab es ungefähr 60 Fässer, genannt „Kalkröhrli", voll Kalk zu 720 kg.

Literatur: Kottmann Josef, Die alte Zeit

Der Lehm wurde in Flüelen für die Ziegelproduktion verwendet. Der Lehm ist eine im Diluvium vorkommende, aus der Verwitterung verschiedener Gesteine entstandene und aus einer Mischung von eisenoxydhaltigem Ton und Sand, bisweilen auch aus Kalk bestehende Erdart. Bei mehr als 50 Prozent Sandgehalt ist der Lehm mager, bei weniger als 40 Prozent wird der Lehm als fett bezeichnet. In Flüelen gibt es keine Lehmvorkommen. Der Lehm musste für die Ziegelproduktion mit Schiffen über den See transportiert werden. Lehmbezugsorte waren Horw, Hergiswil, sehr oft auch „Zinnen" bei Hertenstein. Von diesen Orten brachte man den fetten, bläulichen Eisenoxyd-haltigen Ton. Dieser fette Lehm wurde wegen des Eisengehaltes beim Brennen rot und ergab die roten Ziegel und Kaminsteine. Unter dem Namen "Ziegelerz" verstand man ein erdiges Gemenge, das rötlichbraun bis ziegelrot aussieht und viel Rotkupfererz und Brauneisenerz enthält. Mit dem Nauen wurde auf der Hinfahrt Holz nach Luzern gefahren, auf dem Rückweg brachte man den Nauen voll Lehm nach Hause in die Ziegelhütte. Den meisten Lehm bezog man aus Ibach Schwyz, wo ein grosses graugelbes Lehmfeld war. Dieser Lehm ergab die hellen, weissgrauen Dachziegel. Die obere Schicht, der Graswasen wurde abgestochen bis auf die darunter liegende Lehmschicht. Nach der Entnahme von Lehm musste die Schicht stets mit Holzladen gut abgedeckt werden, um den Lehm vor Verschmutzung zu bewahren. Beim Löschen des Nauens zu Flüelen wurde an der Ländi der Lehm mit Schaufeln in Stosskarren geladen und cirka 100 Meter weit in den Lehmgarten oder Depotplatz vor die Ziegelhütte gestossen, was so mühsam war wie das stundenlange Stehrudern über den See.

Literatur: Kottmann Josef, Die alte Ziegelhütte in Flüelen; Separatabzüge aus der "Gotthard-Post", 1975

Bedingt durch die günstige Verkehrslage sowie durch das vorstadtähnliche Verhältnis zu Altdorf, entwickelte sich in Flüelen Spezialgewerbe. Schon für die erste Hälfte des 16. Jh. sind Bäcker, Schumacher, Gerber, Tischmacher, Schlosser belegt, seit 1560 die Ziegelproduktion, seit 1588 die Hafnerei. Weiter spielten die Nagler eine grosse Rolle. In der ersten Hälfte des 17. Jh. wurde eine Papiermühle betrieben, in der zweiten Jahrhunderthälfte waren hier Kunstmaler ansässig; später werden auch ein Küfer, ein Gürtler und ein Büchsenschmied genannt. Ein Mechaniker Aschwanden stand anfangs des 19. Jahrhunderts im Begriffe, eine Maschine zur Glättung und Pressung italienischer Strohhüte einzurichten.